Die Ärztin verlangte immer wieder von ihr, dass sie ihr gefälligst in die Augen zu schauen hat, wenn sie mit ihr reden würde.

Meine Tochter ist Autistin. Die Diagnose wurde nach ganz vielen Vorgängerdiagnosen erstellt. Der Prozess dazu dauerte etwa 3 Jahre.

Wir hatten auch ganz viele Begutachtungen, wobei wir die ersten Jahre keine erhöhte Familienbeihilfe oder Pflegegeld beantragten – es ging sich aus so gut aus, ich habe gut verdient. Erst als ich über eine AMS Stiftung die Ausbildung zum Fachsozialbetreuer und dann zum Diplomsozialbetreuer startete, mussten wir Unterstützung beantragen, da alleine die Psychotherapiekosten für unsere Tochter mehrere hundert Euro pro Monat kosteten. Ganz abgesehen davon, dass meine Frau nicht arbeiten gehen konnte, da die Begleitung unserer Tochter sehr zeitaufwändig ist.

Die erste Ärztin, die wir kennenlernten, sollte feststellen, ob unsere Tochter die erhöhte Familienbeihilfe bekommen könnte. Es wurden alle Befunde vorgelegt. Die Ärztin war eine eigentlich schon in Pension befindliche Allgemeinmedizinerin, die in einer Ecke der Praxis ihrer Nachfolgerin diese Begutachtungen durchführte. Unsere Tochter war wie erstarrt vor Schreck. Die Ärztin verlangte immer wieder von ihr, dass sie ihr gefälligst in die Augen zu schauen hat, wenn sie mit ihr reden würde.

Ich habe unsere Tochter dann aus der Situation herausgenommen. Die Ärztin meinte, wir würden die „Erhöhte“ bekommen. Ab heute. Also ab dem Tag, an dem die Begutachtung erfolgte. Ich wollte wissen warum, sie teilte mir mit, dass wir froh sein sollen, dass sie die Erhöhte überhaupt bekommt. Es wäre „sehr“ knapp. Ich versuchte der Dame dann zu erklären, dass Autismus angeboren ist und die Symptome bereits seit der frühen Kindheit zu sehen wären. Dies interessierte sie nicht. Sie meinte, dass ich das entweder akzeptieren könnte, oder der Bescheid abschlägig wird.

Bei „Behindertenpass-Begutachtung“ beim Sozialministeriumsservice etwa sechs Monate später, ging es um die Einstufung der Erwerbsunfähigkeit. Wir haben etwa eine Stunde gewartet, bis uns der Arzt hereinbat. In dem Moment, in dem wir eintraten, läutete sein Handy. Er hob ab. In dem folgenden Gespräch, das etwa 15 Minuten lang dauerte, ging um ein Gefälligkeitsgutachten. Der Arzt versicherte dem Anrufer, dass er ein solches bekommen würde, wobei es schwierig war, denn der Anrufer benötigte das Formular im Original und noch an diesem Tag. Es wurde jedoch eine Lösung gefunden.

Danach „kümmerte“ sich der Arzt um uns. Auch hier musste sich unsere Tochter bis auf die Unterhose ausziehen, auf die Waage stellen und die Größe gemessen werden.

*Namen der Personen, die anonyme Berichte abgeben haben, sind der Lebenshilfe Österreich bekannt.

Die Ärztin verlangte immer wieder von ihr, dass sie ihr gefälligst in die Augen zu schauen hat, wenn sie mit ihr reden würde.
Sitzende Person mit langen Haaren, dunkler Jacke und heller Hose, die beide Hände zwischen den Knien hält. Das zur Seite gedrehte Gesicht ist durch Bewegungsunschärfe verschwommen.
ℹ️ KI generiertes Bild